Grußwort des Intendanten
Die Welt der KLassiker

Mit der neuen Spielzeit werden sich die Inszenierungen im Theater an der Rott in einem anderen Gewand präsentieren. Schon jetzt recherchieren der Bühnenbildner, die Kostümbildnerin und die engagierten Regisseure für die nächsten Produktionen. So tragen sie zum Beispiel Material über die Orginalschauplätze der "My Fair Lady" zusammen. Wird in der "Nacht in Venedig" die Seufzerbrücke oder die Rialtobrücke auf die Bühne gestellt? Wie groß war die Tischgesellschaft im "Jedermann" bei Max Reinhardts Uraufführung? Welche Bühnenbauten setzen Schillers romantische Tragödie "Die Jungfrau von Orleans" am wirkungsvollsten in Szene? Die kreativen Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und das Thema wird allen zur Herausforderung: Gegenständlichkeit und Werktreue. Als Picasso sein erstes abstraktes Porträt eines Mädchens präsentierte, waren die meisten Leute entsetzt. Das Auge da, die Nase hier, der Mund nun wieder ganz woanders. Beim verunsicherten Publikum lag nun die Vermutung nahe, dass dieser Picasso überhaupt nicht in der Lage sei, nach der Natur zu malen. Heute wissen wir es besser, Picasso stand in der Fähigkeit zur gegenständlichen Malerei den größten Meistern aller Zeiten in Nichts nach. So ist es für uns nun eine Herausforderung, Ihnen in dieser Spielzeit unser Handwerk von seiner besten Seite zu zeigen. Wer von Ihnen den "Vetter aus Dingsda" oder den "Jennerwein" gesehen hat, konnte sich bereits ein erstes Bild machen. Wir werden unsere Musiktheaterproduktionen, unsere Schauspiele, Komödien und Revuen in klassischer Ausstattung präsentieren. Die Werktreue wird ebenso zur zentralen Frage und verbindet sich mit den professionellen Leistungen unserer Sänger, Schauspieler, Regisseure und Choreographen. Auch der Chor und das Ballett werden heuer wieder eine große Rolle spielen. Es wird ein größeres Konzertangebot geben, eine Rossini-Oper, eine Strauß-Operette, "My Fair Lady" und wer die Passion mit den "lebenden Bildern" gemocht hat, wird bei der "Geistlichen Weihnacht" auf seine Kosten kommen. In dieser Saison soll unser Theater ein Spielort sein, wo wir am Gegenständlichen, am Originalen in Text, Ausstattung und Inszenierung arbeiten wollen, und das nicht um der Gefälligkeit wegen, sondern um uns eine interessante künstlerische Aufgabe zu stellen und Ihnen bezaubernde Theaterabende zu bescheren. In diesem Sinne hoffe ich, dass sie uns weiterhin die Treue halten und bin jetzt schon gespannt darauf, wie Ihnen unsere nächsten Arbeiten gefallen werden.
Ihr
Mario Eick