Regisseur und Ausstatter: Rainer Holzapfel und der “Ball im Savoy”

Am 10. März 2019 feiert “Ball im Savoy” im Großen Haus Premiere. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren – Regisseur Rainer Holzapfel zeichnet auch für die Ausstattung verantwortlich und lebt aktuell quasi im Theater. Warum ihm die Arbeit so große Freude bereitet und wie er die Operette konzipiert hat, verrät er im Interview…

Da Sie für Regie und Ausstattung verantwortlich sind, ist der “Ball im Savoy” in Ihrem Kopf entstanden – so, wie Sie sich ihn vorstellen. Wie würden Sie den Prozess beschreiben?

Da ich mich um Bühnenbild, Kostüme und Regie kümmere, hab ich mich mit dem Stück doppelt so viel im Vorfeld beschäftigt. Das hat super viel Spaß gemacht. Aber dann wurde es auch Zeit, als endlich die Proben begannen. Auch, damit endlich mal alles aus meinem Kopf raus konnte (lacht). Grundsätzlich bin ich Regisseur – seit einigen Jahren mache ich aber auch immer wieder die Ausstattung dazu. Das war eine ganz natürliche Entwicklung ohne Vorsatz von außen. Wenn ich anfange, mich mit einem Stück zu beschäftigen, habe ich schon immer Räume gezeichnet – ich denke sehr stark in Räumen. Bei “Ball im Savoy” war das auch so – schnell entstanden Bilder von Kostümen und Bühnenbild in meinem Kopf. Es wäre Unsinn gewesen, das mit einem extra Ausstatter zu machen – ich hab mir ja schon alles überlegt. Weil ich alles selbst mache, fehlt mir manchmal ein Austauschpartner, der auch involviert ist. Dafür darf ich aber auch ein kleiner Weltenschöpfer sein – das ist auch ganz schön (lacht). Eine Operette ist viel ausstattungsintensiver als andere Stücke. Nur schwarze Anzüge wären viel zu langweilig. Wir haben über 60 Kostüme. Dass ich eine Operette ausstatte und gleichzeitig Regie führe, ist aber auch für mich Premiere. Das musste ich auch bei Uwe Lohr durchsetzen – er hat mich an die Werkstattkapazitäten erinnert – gerade bei einer Operette sind die Kostümbildner fast durchgehend vor Ort und packen ganz viel selber mit an. Darum haben wir zusätzlich eine Kostümassistentin engagiert – die ist großartig und arbeitet von morgens bis spät abends.

Wie darf man sich nun den “Ball in Savoy” optisch vorstellen? Orientieren Sie sich an den 20ern, dem Original-Spielzeitraum?

Der wesentlichste konzeptionelle Zugriff – oder Eingriff – ist, dass ich die Figur des Komponisten Paul Abraham mit eingebaut habe. Deshalb, weil seine Biografie spannend und tragisch gleichermaßen war. Er war ungarischer Jude, wurde Ende des 19. Jahrhunderts geboren, hatte erst keinen Erfolg und dann den großen Durchbruch in Berlin. Innerhalb zwei Jahren passierte fast alles in seiner künstlerischen Biografie – und dann ging es den Bach runter. Als ich das las, war ich sehr berührt. Die Nazi-Diktatur hatte Paul Abraham abgeschnitten, in den 50ern verdrängte man die Hintergründe, auch wenn man die Operetten wieder spielte. Man hat sie aber neu arrangiert, machte sie ganz sülzig und strich die Frechheit, Satire, das Anrüchige, das Sexuelle einfach raus. Die 50er waren sehr spießig, die heile Welt war wichtig. Die Berliner Operette war aber völlig anders – das war satirisches Theater. In der Satire wollen die Menschen über die Abgründe der Menschheit lachen. Das war kein Musikantenstadl-Niveau.

Sie wollen das komplette Interview lesen? Das können Sie! Im Programmheft, das ab der Premiere zu den Vorstellungen und untertags auch an der Kasse erhältlich ist, lesen Sie mehr.

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Foto: Lisa Brzonkalla