Interview mit Bernd Liepold-Mosser

Regisseur Bernd Liepold-Mosser bringt den „Shockheaded Peter“ auf die Bühne des Theater an der Rott. Am 3. Mai feiert das Kult-Musical Premiere. Vorab haben wir uns mit ihm unterhalten – wo er die Aktualität des Struwwelpeter sieht, was das Werk über die Eltern aussagt und warum das Thema Tod zum Leben gehört, darüber spricht er im Interview…

Was kann uns der „Shockheaded Peter“ heute noch sagen?

Heute erziehen wir Kinder nicht mehr im Sinne dieser schwarzen Pädagogik – dennoch bietet das Buch Themen, die uns auch noch beschäftigen: Wo sind Grenzen? Da ist die Lust, Grenzen zu überschreiten. Die Lust, das Verbotene zu tun. Ein gewisser Kontrollverlust. Wie viel muss man selber erleben, um klüger zu werden? Wie viel kann Erziehung vermitteln? In der Wildheit des Buches sehe ich vor allem die Lust und Freude an der Übertretung von Grenzen. Das spiegelt unsere Gesellschaft auf eine andere Art: Unsere Gesellschaft ist sehr normierend. Wir alle sind in einem Ideal des Funktionierens, des Machens, des Erfolgs mehr oder weniger gefangen. Das Buch zeigt, dass es schon auch cool ist, wenn man mal was nicht mitmacht oder das Unerlaubte probiert.

Cool – obwohl alle Kinder sterben…

(lacht) Ja, im Stück ist das Ganze so übersteigert, dass alle sterben. Darin liegt die Ironie. Das Stück dreht sich dadurch nochmal in eine andere Richtung: Die Perspektive richtet sich weg von den Kindern auf die Eltern. Wie sind denn eigentlich die drauf? Sind die denn nicht noch ein bisschen verrückter als die Kinder? Was ist denn mit den Eltern los? Das Ganze kann man weiterspinnen: Eltern und Erwachsene waren auch mal Kinder. Sie haben die Kindheit alle selbst erlebt und tragen diese noch in sich. Ich habe selbst drei Töchter. Die können sich oft selbst nicht vorstellen, dass ich ja auch mal in ihrem Alter und in entsprechenden Situationen war. Ich kenne, was sie reizt. Und das ist cool. Das schafft der „Shockheaded Peter“ “ er bringt uns das Kindsein nochmal nahe.

Das ist der „Shockheaded Peter“auf der pädagogischen Ebene. Sind noch weitere Ebenen vorstellbar? Es waren ja Briten, die den Stoff von Deutschen aufgenommen haben – das kann nur ironisch sein…?

Auf jeden Fall.  Das Ironische und Sarkastische der Briten tut dem Stoff sehr gut. Aber ich würde sagen, dass das im Stoff auch bereits enthalten ist.  Die Zeichnungen sind so over-drastisch – man denke an das verbrannte Paulinchen und an die weinenden Katzen am Grab – das sind richtige Wasserstrahlen, die da aus den Augen schießen. Das hat schon was Komisches.

Aus Erwachsenensicht bestimmt…

Der „Shockheaded Peter“ ist ein Märchen für Erwachsene. Jugendliche werden aber gewiss nicht traumatisiert davon (lacht). Wenn man bedenkt, womit Kinder und Jugendliche heute konfrontiert werden! Das sind reale Katastrophen, die uns die mediale Welt nahe bringt. Dagegen ist das ein Kinderspiel. Was ich auch gut finde: Der Tod wird nicht ausgespart, die Tiger Lillies enttabuisieren dieses Thema. Wir teilen alle diese Dimension des Lebens. Kinder können und sollen sich auch damit beschäftigen, natürlich nicht in aller Härte. Der Tod gehört zum Leben. Und im Theater stehen alle wieder auf und spielen weiter.

Sie wollen das ganze Interview lesen? Sie finden es ab der Premiere zu den Vorstellungen und an der Kasse im Programmheft!