Interview mit Caroline Richards…

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zu „Shakespeares gesamte Werke (leicht gekürzt)“. Ein Gespräch über britischen Humor…

 

„Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ – wie ist das auf knapp zwei Stunden möglich?

Das Stück wird mittlerweile seit Jahren erfolgreich gespielt: Drei Männer wollen die gesammelten Werke innerhalb kürzester Zeit spielen. Sie überlegen gemeinsam, wie das gehen soll und schaffen es, sich durch alle Stücke zu arbeiten – jedes ist zumindest erwähnt. Tragödien, Komödien, die schwierigen Stücke.

Das klingt ziemlich schnell – und ziemlich lustig.

Das ist es auch. Die Komik ist sehr zugänglich, schräg und absurd. Wer Monty Python kennt und mag, wird sich köstlich amüsieren. Es wird nicht heilig mit Shakespeare umgegangen. Die Briten können sich gut über sich selbst lustig machen.

Also ist das Stück selbst eine Komödie?

Sogar mehrere. Das Stück passt in keine normale Schublade. Es ist schon sehr speziell. Die Schauspieler haben ihre eigenen Namen, sind sie selbst: Reinhold, Markus, Martin. Das ist die eine Spielebene, die ich sehr offen gehalten habe. Dann gibt es noch die Shakespeare-Ebene, auf der ich mich stark am Original-Text orientiere. Ich bin Engländerin, insofern hab ich da eine sehr gute Verbindung.

Eine Engländerin am Theater an der Rott – wie ging das her?

Ich bin schon seit 1991 in Österreich und spreche schon ziemlich gut Deutsch (lacht). Ich bin auf Empfehlung von Markus Steinwender (Anm. d. Red. Leiter der Sparte Junge Hunde) hergekommen. Da hat er bestimmt gedacht: Shakespeare – das muss eine Engländerin machen. Ich kenne das Stück schon seit längerem und freue mich über die super Aufgabe.

Was ist denn so schön dran?

Zwei Ebenen machen mir immer großen Spaß. Wenn die Schauspieler sie selber sind und dazu was spielen müssen – dadurch entsteht die Komik. Müssten sie sich mit nur einer Rolle identifizieren, wäre das was ganz anderes. Die drei Männer spielen alle Rollen, auch Frauenrollen.

Was ja zu Shakespeares Zeiten nichts Ungewöhnliches war…

Das stimmt. Auch dazu haben wir einen Standpunkt eingenommen, der so nicht im Originalstück steht. Ich habe einen neuen Zugang gefunden, die Fassung aktualisiert. Das Stück wurde in den 80er Jahren geschrieben, seitdem hat sich ja viel getan. Ich gehe auch auf Bayern und die aktuelle Politik ein – was in Großbritannien passiert, gibt ja grade ziemlich viel her (lacht).

Muss man als Zuschauer ein Shakespeare-Kenner sein, um das Stück zu verstehen?

Nein. Es reicht, wenn man zwei Stücke oder eine Verfilmung gesehen hat. Und auch wenn man mit Shakespeare noch gar nichts zu tun hatte, hat man einen Heidenspaß. Ich denke, jeder hat eine Vorstellung davon, was Shakespeare ist, und wenn es nur ein Bild von den Kostümen ist. Der wahnsinnige Hamlet, der Königsmörder Macbeth…

Welchen Zugang hast Du zu Shakespeare?

Ich bin in England zur Schule gegangen, habe mich mit etwa 13 Jahren mit Hamlet beschäftigt. Ich habe bis zum A-Level, bis zur Matura, Englische Literatur gehabt, bevor ich Englische Literatur und Theaterwissenschaft studiert habe. Danach bin ich zur Schauspielschule nach Paris gegangen.

Hast Du einen Shakespeare-Favoriten?

Von den Tragödien mag ich Macbeth am liebsten. Ich erinnere mich gern an die Filmversion mit Judy Dench und Ian McKellen. Und von den Komödien ist Sommernachtstraum ein großartiges Stück. Und ich kann ganz viele Stücke auswendig.

Welche Shakespeare-Stücke hast Du schon selbst gemacht?

Gespielt hab ich im Hamlet, Regie geführt hab ich im Sommernachtstraum.