Interview mit Dean Wilmington…

…zu den Salonkonzerten, die am 20. November am Theater an der Rott starten – eine neue musikalische Idee!

dean wilmington salonkonzert copyright rupert rieger6 IS2997x2002 400x267 - Interview mit Dean Wilmington...Wie kam die Idee mit den Salonkonzerten zustande?

Als Leiter für Musiktheater wollte ich mehr Musik ins Haus bringen – vor allem mehr klassische Konzerte. Zu den Salonkonzerten wurde ich vom Bühnenbild des „Reigen“ inspiriert. Da kam mir die Idee, dass das das perfekte Setting für ein Salonkonzert wäre, wie man es sich aus dem 19. Jahrhundert vorstellt.

Die Zuhörer sitzen also nicht in Reih und Glied davor, sondern mittendrin.

Genau. Ich sitze am Flügel, die Leute an den Tischen um den Flügel herum. Es wird für etwa 60 Zuhörer Platz sein.

In der ersten Reihe am 20. Und 21. November dreht sich alles um Chopin. Beim zweiten Salonkonzert im Mai 2020 erwartet das Publikum ein Abend mit Gitarre und Geige, der sich dem klassischen Tango widmet. Worum geht’s jetzt beim Chopin-Abend?

Frédéric Chopins Todestag jährt sich zum 170. Mal. Aber auch, weil Chopin selbst bevorzugt hat, in solchen Räumen zu spielen. Er hat ungern im Konzertsaal gespielt, lieber in intimer Atmosphäre. Wir versuchen, diese Atmosphäre ein wenig zu rekreieren.

Wie stellst Du Dir die Atmosphäre von damals vor?

Auf jeden Fall spannend und erwartungsvoll. Durch diese Nähe und den entspannten Rahmen konnten die Leute die Musik vielleicht noch besser aufnehmen als in einem großen Konzertsaal, wo der Abstand zum Künstler viel größer ist.

Ist es richtig, dass damals Konzerte dieser Art nur etwas für die Privilegierten, Gutbürgerlichen waren?

Zunächst ja, für Gutbürgerliche und Adelige. Auf jeden Fall hat Chopin im Freundschafts- und Familienkreis gespielt. Was Chopin geschafft hat, ist, dass sich seine Klaviermusik schnell verbreitet hat. Man konnte sich seine Noten kaufen und dann wurden seine Stücke vor allem von den jungen Damen oft gespielt, in deren Häuser es einen Flügel oder ein Klavier gab.

Wie ist dem Publikum von heute ein klassisches Konzert schmackhaft zu machen?

Klassische Musik ist nicht nur für bestimmte Menschen. Sie spricht alle Leute an. Vor allem Chopin. Die Musik ist so menschlich, das verstehen alle, egal, woher sie kommen und was sie machen, ob sie klassische Musik im Alltag hören oder nicht. Genau darum möchte ich die Konzerte in einem intimen Rahmen machen – damit die Leute nicht dieses Gefühl haben, sie müssten sich irgendwie besonders benehmen. Sie sollen sich zurücklehnen und die Musik aufnehmen können. Nur weil es ein Salonkonzert ist, muss niemand denken, er müsse im Abendkleid kommen und sich anders als sonst verhalten. Das ist nicht der Zweck des Abends.

Welchen Bezug hast Du persönlich zu Chopin?

Er hat hauptsächlich Klavierstücke geschrieben und war ein Komponist, der die Klaviertechnik weiterentwickelt hat. Chopin mag jeder – seine Musik berührt jeden auf seine eigene Art. Wenn man Chopin spielt, spürt man das sofort.

Was erwartet das Publikum bei den Salonkonzerten rund um Chopin?

Eine Auswahl von den früheren bis zu den späteren Werken. Und eine Sonate, in der es um Leben und Tod geht – in Bezug auf seinen Todestag. Es wird aber auch sehr fröhliche und stolze Stücke geben. Außerdem wird Elke Maria Schwab verschiedene kurze Texte von und über Chopin und seine Lebensgefährtin George Sand lesen.

Warum sind die Salonkonzerte unter der Woche angesetzt?

Warum nicht? So haben die Leute auch die Möglichkeit, unter der Woche ins Theater zu kommen – nicht nur am Wochenende.

Wie wird das Salonkonzert im Mai ausschauen?

Er wird im Theatercafé stattfinden. Mit dabei sein werden ein Gitarrist und eine Geigerin. Sie bieten ein etwas anderes, lebendiges, tänzerisches Programm. Das sind Künstler aus der Region, was auch Sinn der Konzertreihe ist. Musiker aus der Region sollen auch die Chance haben, für ihre Freunde und Bekannte und die Menschen aus dem Landkreis spielen zu können.

Das klingt so gut, dass es fast schade ist, dass die Salonkonzerte nur zweimal in der Spielzeit geben wird. Wie ist es in der nächsten Spielzeit angedacht?

Das wird so bleiben. Zweimal pro Jahr. Dazu kommt aber ab 4. Dezember als Gegenpol eine kleine Reihe an Jazzabenden im Theatercafé – mit freiem Eintritt. Ebenfalls unter der Woche (immer Mittwochs), als Alternative zum Kino oder einer anderen Beschäftigung. In entspannter Atmosphäre Musik genießen – das wollen wir anbieten.