Premiere: Gräfin Mariza

Am Sonntag, den 23. Februar feiern wir mit Ihnen die Premiere von „Gräfin Mariza“. Vorab erzählt Regisseurin Elke Maria Schwab im Interview  über die große Operette…

Wer ist denn diese Gräfin Mariza?

Das ist eine der fünf bekanntesten Operetten, was die Gefahr mitbringt, dass sie jeder schon mindestens einmal gesehen hat und ungefähr weiß, wie sie auszusehen hat: typisch ungarischer Folklore-Hintergrund, Zigeuner-Klischee… Aber ich bin der Ansicht, dass die Gräfin Mariza weit mehr zu bieten hat.

Elke copyright Rupert Rieger 3 400x600 - Premiere: Gräfin Mariza

Foto: Rupert Rieger

Und was?

Ich habe einen Zugang zur Gegenwart hergestellt. Dazu eine Anekdote: Ein Zuschauer hat gefragt, wie das denn nun sei: Müsse man den Zigeunerbaron in Sinti- oder Roma-Baron umbenennen? Zunächst dachte ich mir, was diese Frage soll. Diese politische Korrektheit, die uns Tag für Tag eingeimpft wird, die unser ethnisches Bewusstsein als politisch aufgeklärte Menschen anspricht, ist bei der Gräfin Mariza nicht unwesentlich.

Das klingt spannend – erzähl mehr davon!

Das Stück ist Anfang der 20er Jahre, vor genau hundert Jahren, entstanden. Im Libretto gibt es verschiedene Textstellen wie „die weiße Hand des Verwalters“ oder „das braune Mädel“ – das ist natürlich komplett obsolet, das kann man heute nicht mehr sagen. Dann kam ich zu dem Punkt, an dem ich mir die Frage stellte, ob man denn heute noch „Zigeuner“ sagen darf. Ich bin dem mit Fachliteratur nachgegangen und habe Interviews mit „Betroffenen“ geführt, mit Minderheiten aus Ungarn und Rumänien. Und diese haben gesagt: Wir sind Zigeuner! Das Wort ist gut, wenn man uns gut behandelt. Nenne nur nie jemanden Zigeuner, der nicht Zigeuner genannt werden will. Roma oder Sinti ist aber nicht zwangsläufig der richtige Begriff für alle.

Und wie hast Du das ins Stück gebracht?

Operette muss ja auch immer gesellschaftspolitisch sein. Da haben wir einen Punkt gefunden, der wunderbar zu Gräfin Mariza passt.

Wie gehst Du mit dem Thema Folklore um? Bleibt das oder wird das wegmodernisiert?

Folklore ist dabei. Es gibt die typischen Kostüme, da es keinen Sinn hat, die Gräfin Mariza optisch in die heutige Zeit zu übertragen, sonst funktioniert die Geschichte nicht. Das Werk handelt nach dem Zusammenbruch der Monarchie. Folklore ist ein wichtiges Element – wir spielen auch bewusst mit Klischees. Aber es ist nicht so, dass der Zuschauer in Sachen Ausstattung von Folklore erschlagen wird. Das haben wir geschmackvoll wohldosiert.

Magst Du dazu mehr verraten?

Es gibt traditionellen Uniformen und Trachten. Das Stück spielt in der Originalzeit in der Puszta, das Bühnenbild ist von Florian Angerer wundervoll gestaltet.

Wovon handelt das Werk – ist es eine klassische Operettengeschichte?

Man hat eine Liebesgeschichte wie in jeder Operette. Das Liebespaar hat Hindernisse zu überwinden, es geht um Stolz, Leidenschaft, Ehre. Am Anfang kommen sie nicht zueinander, weil sie sich so ähnlich sind, aber es gibt ein Happy-End… das müssen sie sich allerdings erkämpfen. Mir ist bei den Dialogen wichtig, dass es sich auch um ein heutiges Gespräch handeln könnte.

Und wie hört sich die Operette an?

Die Musik ist sehr melancholisch. Kálmán bringt eine irrsinnige Dramatik mit, die schon in Richtung Oper geht. Es spielt das Orchester sINNfonietta, eine Kooperation mit der Sommeroperette Zell an der Pram. Musikalische Leitung hat Gerald Karl. Die Musik ist sehr abwechslungsreich. Die Geige ist als klassisches Element sehr wichtig, die ungarische Volksmusik wird aber auch mit Rhythmen kombiniert, die Anfang der 20er Jahre in waren, zum Beispiel Shimmy oder Foxtrott.

Was ist Dir noch wichtig?

Es soll ein unterhaltsamer, lustiger Abend werden!

Was macht Dir Spaß am Proben?

Alles – wenn alles zusammenkommt: Text, Musik, Choreographie, Bühnenbild. Ich hab auch in der Operette den Anspruch, die Charaktere und Figuren herauszuarbeiten, psychologisch in die Tiefe zu gehen. Da mache ich keinen Unterschied, ob ich Musiktheater inszeniere oder ein Schauspiel. Ich weiß, dass unser Publikum eine gewisse Erwartungshaltung mitbringt. Diese Vorstellungen werden zum Teil erfüllt, es gibt aber auch diese neuen Zugänge und die ein oder andere Überraschung. Unser Anspruch ist es, dass Operette auch für junge Leute interessant sein soll – ideal wäre es, wenn die Oma mit ihrer Enkelin kommt und beide einen schönen Abend haben.


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